Vom Wissen zum Handeln

Active-processingPraxis: Aufgaben analysieren & kollegial beraten (50 Min)

In zwei aufeinander aufbauenden Aktivitäten wenden wir die Erkenntnisse aus Teil 1 und 2 auf eure eigene Lehre an:

  1. Aufgaben-Analyse mit dem 5-Fragen-Framework (23 Min)
  2. Kollegiale Kurzberatung: Eine zweite Aufgabe analysieren und gegenseitig Feedback geben (20 Min)

Ziel: Das Framework auf unterschiedliche Aufgabentypen anwenden, kollegiales Feedback nutzen und mit einem konkreten Umsetzungsplan nach Hause gehen.

Active-processingGedächtnis-Aktivierung (2 Min)

Das ist keine Prüfung, sondern eine Lernübung. Lücken beim Abruf sind nicht peinlich, sie sind die produktivsten Lernmomente: Was du jetzt nicht abrufen kannst, wirst du dir nach dem Vergleich besonders gut merken.

Versuche, die 5 Fragen des Frameworks aus dem Gedächtnis zu notieren. Es geht nicht um exakte Formulierungen, sondern um den Kern jeder Frage.






Vergleiche dann mit dem 5-Fragen-Framework. Wo sind die grössten Unterschiede zwischen deiner Version und dem Original? Genau diese Stellen sind die produktivsten Lernmomente.

Aktivität 1: Aufgaben-Analyse mit dem 5-Fragen-Framework (23 Min)

Sicherstellen, dass alle zwei Aufgaben haben. Wer keine oder nur eine mitgebracht hat, nutzt die Fallstudien-Szenarien als Ergänzung. Timer für jede Phase starten und sichtbar machen. Nach der SHARE-Phase kurze Reflexion einleiten.

THINK Phase (8 Min)

IndividualEigene Aufgabe analysieren

Wähle eine Aufgabe oder Prüfung aus deiner Lehre und analysiere sie mit dem 5-Fragen-Framework. Falls du keine eigene Aufgabe mitgebracht hast, nutze eines der Fallstudien-Szenarien.

Frage Deine Einschätzung
1. Geht es primär ums Lernen?
2. Werden noch Grundlagen aufgebaut?
3. Muss internes Wissen nachgewiesen werden?
4. Kann KI die Aufgabe ohne Denkarbeit erledigen?
5. Gibt es eine Versuch-dann-Prüfe-Struktur?

Dann identifiziere:

  • Wo könnte KI die lernrelevante kognitive Verarbeitung eliminieren?
  • Welche eine Änderung würde produktive Anstrengung bewahren?

Notiere:

  • Meine Aufgabe: ________________________
  • Kritischer Punkt: ________________________
  • Meine Änderung: ________________________

PAIR Phase (10 Min)

PairPeer-Konsultation

Tausche dich mit einem Partner aus:

  1. Vorstellen (3 Min pro Person): Stelle deine Aufgabe, deine Analyse und deine vorgeschlagene Änderung vor
  2. Rückmeldung geben: Bewahrt die Änderung tatsächlich die interne kognitive Verarbeitung? Oder wird nur die Form geändert, während das Outsourcing weiter möglich ist?

Leitfragen für das Feedback:

“Muss die studierende Person nach deiner Änderung immer noch selbst denken, oder kann sie das Denken immer noch an die KI delegieren?”

Praxistest mit den 3 Diagnose-Fragen: Könnte eine Studierende nach der Aufgabe konkret beantworten: “Was hast du versucht, bevor du KI gefragt hast?” und “Wo hat dich die KI überrascht?” Wenn nicht, schützt das Redesign den Denkprozess noch nicht ausreichend.

SHARE Phase (5 Min)

  • 2–3 Beispiele im Plenum vorstellen
  • Welche Muster zeigen sich? Gibt es wiederkehrende Schwachstellen?
ReflectWelches Lernprinzip haben wir gerade angewendet?

Diskutiert 30 Sekunden mit eurem Nachbarn: Benennt mindestens drei Prinzipien aus Teil 1, die in der THINK-PAIR-SHARE-Struktur stecken, und erklärt bei einem davon, warum es funktioniert. Tipp: Es sind mindestens drei Prinzipien.

Reflexive Brücke (2 Min)

IndividualErkenntnis und Transfer

Schreibe in einem Satz auf: Was war die wichtigste Erkenntnis aus deiner Analyse?

Und dann: Was erwartest du, wenn du dieselbe Analyse auf deine zweite mitgebrachte Aufgabe anwendest? Wird das Ergebnis ähnlich ausfallen oder ganz anders? Wo vermutest du die grösste Schwachstelle?

Du brauchst deine zweite Aufgabe gleich für die nächste Aktivität.

Aktivität 2: Kollegiale Kurzberatung (20 Min)

Überleitung: “Ihr habt eine Aufgabe analysiert und ein Redesign vorgeschlagen. Jetzt wenden wir dasselbe Framework auf eure zweite mitgebrachte Aufgabe an und geben uns gegenseitig kollegiales Feedback. Bildschirme zu, Stifte raus. Ab jetzt arbeiten wir analog.”

Neue Paare bilden (nicht dieselben wie bei Aktivität 1). Karteikarten oder halbe A4-Blätter verteilen. Timer für jede Phase starten.

Bildschirme schliessen. Diese Aktivität funktioniert bewusst mit Papier und Stift. Das reduziert Ablenkung, erzwingt den Abruf aus dem Gedächtnis und schafft einen spürbaren Rhythmuswechsel im Workshop.

Abruf und Analyse (8 Min)

IndividualZweite Aufgabe analysieren

Arbeite auf einer Karteikarte oder einem halben Blatt Papier. Die physische Begrenzung ist Absicht: Sie zwingt zur Verdichtung.

Schritt 1 (3 Min): Schreibe so viele der 5 Framework-Fragen auf, wie du aus dem Gedächtnis abrufen kannst. Dann nimm deine zweite mitgebrachte Aufgabe zur Hand.

Schritt 2 (5 Min): Analysiere diese Aufgabe mit dem Framework. Notiere:

  • Welche der 5 Fragen deckt die grösste Schwachstelle auf?
  • Welche eine Änderung würde die lernrelevante kognitive Verarbeitung schützen?
  • Welche der 3 Diagnose-Fragen würden Studierende bei dieser Aufgabe in der jetzigen Form nicht beantworten können?

Kollegiale Kurzberatung (10 Min)

PairAdvocatus Diaboli

Bildet neue Paare (nicht dieselben wie bei Aktivität 1).

Person A stellt vor (2 Min): Aufgabe, grösste Schwachstelle, vorgeschlagene Änderung.

Person B als Advocatus Diaboli (2 Min): Fordere die Analyse heraus mit zwei gezielten Fragen:

  1. “Könnte eine Studierende nach deiner Änderung das Denken immer noch an die KI delegieren? Wie?”
  2. “Welche der 3 Diagnose-Fragen würde die Studierende nach deiner Änderung bestehen, und welche nicht?”

Rollen tauschen (4 Min).

Gemeinsam (2 Min): Formuliert einen 1-Satz-Redesign pro Aufgabe: die wichtigste Änderung in einem Satz.

TippMeta-Moment

Ihr habt gerade Interleaving am eigenen Leib erlebt: Dasselbe Framework auf zwei verschiedene Aufgabentypen anwenden fühlt sich schwieriger an als die zweite Analyse derselben Aufgabe, produziert aber besseren Transfer. Genau das Prinzip aus Teil 1.

Muster & Synthese (6 Min)

Gemeinsame Auswertung:

  • Welche Muster tauchen über verschiedene Disziplinen und Aufgabentypen hinweg auf?
  • Wo war die Grenze zwischen Offloading und Outsourcing am schwierigsten zu ziehen?
  • Wer hat festgestellt, dass die Änderung für verschiedene Studierendengruppen unterschiedlich wirkt? Das ist die Equity-Dimension aus Teil 2: Schwächer vorbereitete Studierende brauchen mehr Struktur in der Versuch-Phase. Das verdient eine eigene Vertiefung auf Departementsebene.

Konsolidierung (5 Min)

IndividualWas nehme ich mit?

Schreibe auf:

  1. Welche eine Änderung setze ich als erstes um? (Nicht “ich denke darüber nach”, sondern “bei Aufgabe X baue ich Phase Y ein.”)
  2. Welches Konzept aus dem Workshop hat meine Haltung zu KI in der Lehre am meisten verändert?

Diese Notiz nimmst du mit. Sie ist dein Umsetzungsplan.

Pro-tipZentrale Erkenntnis

Das Ziel war nicht, die perfekte Aufgabe zu entwerfen, sondern durch Analyse und kollegiale Beratung zu verstehen: Gute KI-Integration in der Lehre erfordert ein tiefes Verständnis davon, wie Lernen funktioniert.

Ressourcen

Handouts

Vertiefung

Beispiele & Werkzeuge

Zurück nach oben

Wiederverwendung