Vom Wissen zum Handeln
Wir wenden die Erkenntnisse aus Teil 1 und 2 auf eure eigene Lehre an: Erst analysierst du deine Aufgabe mit den 5 Leitfragen, dann fordert dein Partner deine Analyse als Advocatus Diaboli heraus.
Ziel: Die eigene Aufgabe kritisch analysieren, gegenseitig Schwachstellen diagnostizieren und mit einem konkreten Umsetzungsplan nach Hause gehen.
Das ist keine Prüfung, sondern eine Lernübung. Lücken beim Abruf sind nicht peinlich, sie sind die produktivsten Lernmomente: Was du jetzt nicht abrufen kannst, wirst du dir nach dem Vergleich besonders gut merken.
Versuche, die 5 Leitfragen aus dem Gedächtnis zu notieren. Es geht nicht um exakte Formulierungen, sondern um den Kern jeder Frage.
Vergleiche dann mit den 5 Leitfragen. Wo sind die grössten Unterschiede zwischen deiner Version und dem Original? Genau diese Stellen sind die produktivsten Lernmomente.
Aufgaben-Analyse mit Peer-Diagnose (33 Min)
Sicherstellen, dass alle eine Aufgabe haben. Wer keine mitgebracht hat, nutzt die Fallstudien-Szenarien als Ersatz. Timer für jede Phase starten und sichtbar machen. Die THINK-Phase funktioniert analog (Papier, keine Bildschirme), um den Abruf aus dem Gedächtnis zu erzwingen.
Zeitcheck: Falls die Aktivität länger dauert als geplant, die SHARE-Phase auf 3 Min kürzen (1 Beispiel statt 2-3). Die THINK- und PAIR-Phasen nicht kürzen, sie sind der Kern.
THINK Phase (10 Min)
Wähle eine Aufgabe oder Prüfung aus deiner Lehre und analysiere sie mit den 5 Leitfragen. Falls du keine eigene Aufgabe mitgebracht hast, nutze eines der Fallstudien-Szenarien.
| Frage | Deine Einschätzung |
|---|---|
| 1. Geht es primär ums Lernen? | |
| 2. Welche Denkarbeit verlangt die Aufgabe? (Abrufen, Generieren, Verknüpfen, Überwachen) | |
| 3. Welche dieser Operationen würde KI übernehmen? | |
| 4. Werden noch Grundlagen aufgebaut? | |
| 5. Arbeiten Studierende zuerst selbst, bevor KI ins Spiel kommt? |
Dann identifiziere:
- Welche der identifizierten Operationen könnte KI übernehmen?
- Welche eine Änderung würde diese Operationen schützen?
Notiere:
- Meine Aufgabe: ________________________
- Kritischer Punkt: ________________________
- Meine Änderung: ________________________
PAIR Phase: Advocatus Diaboli (12 Min)
Person A stellt vor (2–3 Min): Aufgabe, Analyse, grösste Schwachstelle, vorgeschlagene Änderung.
Person B als Advocatus Diaboli (2–3 Min): Fordere die Analyse heraus:
- “Könnte eine Studierende nach deiner Änderung das Denken immer noch an die KI delegieren? Wie?”
- “Welche der 3 Diagnose-Fragen würde die Studierende nach deiner Änderung bestehen, und welche nicht?”
Rollen tauschen (4–6 Min).
Gemeinsam (2 Min): Formuliert einen 1-Satz-Redesign pro Aufgabe: die wichtigste Änderung in einem Satz.
Konsolidierung (5 Min)
Schreibe auf:
- Welche eine Änderung setze ich als erstes um? (Nicht “ich denke darüber nach”, sondern “bei Aufgabe X baue ich Phase Y ein.”)
- Welches Konzept aus dem Workshop hat meine Haltung zu KI in der Lehre am meisten verändert?
Diese Notiz nimmst du mit. Sie ist dein Umsetzungsplan.
Das Ziel war nicht, die perfekte Aufgabe zu entwerfen, sondern durch Analyse und Peer-Diagnose zu verstehen: Gute KI-Integration in der Lehre erfordert ein tiefes Verständnis davon, wie Lernen funktioniert.
Ressourcen
Handouts
Vertiefung
Vertiefung: KI-Agents als Lernunterstützung (optional)
Wenn deine Analyse mit den 5 Leitfragen ergeben hat, dass eine Versuch-dann-Prüfe-Struktur mit KI-Unterstützung sinnvoll wäre, helfen dir diese Seiten bei der pädagogischen Entscheidung: Ergibt ein Agent Sinn, und wenn ja, welches Verhalten muss er zeigen?
- Agent-Template: Analyse & Anpassung: Entscheidungshilfe, wann sich ein Agent lohnt und wann nicht
- Agent-Beispiele: Lernstrategien illustriert: Konzeptillustrationen für verschiedene Strategien
Die technische Umsetzung ist Thema des Advanced Workshops.