Prompting für Einsteiger
Wie du KI-Chatbots effektiv nutzt
Was ist ein Prompt?
Ein Prompt ist die Anweisung oder Frage, die du einem KI-Chatbot gibst.
Die Qualität der Antwort hängt von zwei Faktoren ab:
Das trainierte Modell: Welches Wissen und welche Fähigkeiten das Sprachmodell durch sein Training erworben hat.
Der Kontext, den du gibst: Dein Prompt, plus alles was das Modell sonst “sieht” (hochgeladene Dokumente, Web-Suche, vorherige Nachrichten im Chat).
Moderne Sprachmodelle sind extrem leistungsfähig. Wenn du nicht das gewünschte Ergebnis bekommst, liegt es fast immer am Kontext. Die Frage ist dann: Welche Information fehlt dem Modell?
- Das Modell weiss etwas nicht? → Gib die Information im Prompt oder lade ein Dokument hoch.
- Die Antwort ist vage? → Sei präziser in deiner Anfrage.
- Das Reasoning stimmt nicht? → Lass das Modell Schritt für Schritt denken.
Wenn ein modernes Sprachmodell nicht liefert, was du willst, frag dich: Was fehlt im Kontext? Die Antwort ist fast nie “das Modell kann das nicht”.
Prompting ist keine Magie und keine Spezialtechnik. Es sind die gleichen Grundregeln, die für jede gute Kommunikation gelten: Sag klar, was du willst. Gib relevanten Kontext. Sei präzise.
Wenn du einer Kollegin eine vage Frage stellst, bekommst du eine vage Antwort. Das gilt für Chatbots genauso.
Die drei Grundregeln
1. Klare Anweisungen geben
Wie bei jeder Kommunikation: Sag klar, was du willst. Verwende konkrete Verben und gib Kontext.
Schwach: “Photosynthese”
Stark: “Erkläre Photosynthese in 3 Sätzen für Studierende im ersten Semester Biologie.”
Der starke Prompt funktioniert besser, weil er:
- Eine klare Handlung nennt (“Erkläre”)
- Das Format vorgibt (“in 3 Sätzen”)
- Die Zielgruppe definiert (“Studierende im ersten Semester”)
- Erkläre / Beschreibe: Für Verständnis
- Liste / Nenne: Für Aufzählungen
- Vergleiche: Für Gegenüberstellungen
- Analysiere: Für tiefere Betrachtung
- Fasse zusammen: Für Verdichtung
- Übersetze: Für Sprachkonversion
2. Perspektive und Kontext definieren
Wenn du jemanden um Rat fragst, macht es einen Unterschied, ob du mit einem Fachexperten oder einem Laien sprichst. Das gilt auch für Chatbots: Du kannst dem Chatbot eine Rolle zuweisen, die er simulieren soll. Das beeinflusst Ton, Tiefe und Perspektive der Antwort.
Ohne Rolle: “Erkläre das Konzept der Nachhaltigkeit.”
Mit Rolle: “Du bist ein erfahrener Umweltwissenschaftler, der komplexe Themen verständlich erklären kann. Erkläre das Konzept der Nachhaltigkeit.”
Wichtig: Die Rolle beschreibt, wer der Chatbot sein soll, nicht wer du bist. Deine eigene Situation (Kontext) und die Zielgruppe gibst du separat an:
“Du bist ein erfahrener Hochschuldidaktiker mit Expertise in aktivem Lernen.
Ich bin Dozentin für Pflegewissenschaft und plane ein Seminar zum Thema Patientenkommunikation.
Erstelle drei Diskussionsfragen für Studierende im 3. Semester, die kritisches Denken fördern.”
Hier sind drei Elemente kombiniert:
- Rolle des Chatbots: Hochschuldidaktiker (bestimmt die Expertise)
- Dein Kontext: Dozentin für Pflegewissenschaft (bestimmt das Fachgebiet)
- Zielgruppe: Studierende im 3. Semester (bestimmt das Niveau)
Typische Rollen für den Lehrkontext:
| Rolle | Wann nützlich |
|---|---|
| Fachdidaktiker für [Gebiet] | Methodische Fragen |
| Fachexperte für [Thema] | Inhaltliche Tiefe |
| Kritischer Reviewer | Schwächen in Texten finden |
| Lektor | Sprachliche Verbesserungen |
3. Beispiele zeigen
Ein Beispiel sagt mehr als tausend Worte. Wenn du jemandem erklärst, wie ein Bericht aussehen soll, zeigst du einen Musterbericht. Das Gleiche funktioniert mit Chatbots: Wenn du Beispiele gibst, versteht der Chatbot das gewünschte Format und den Stil besser.
“Formuliere Multiple-Choice-Fragen zum Thema Statistik.”
Ergebnis: Der Chatbot wählt selbst ein Format.
“Formuliere Multiple-Choice-Fragen zum Thema Statistik. Verwende dieses Format:
Frage: Was beschreibt der Mittelwert? - A) Die Streuung der Daten - B) Den Durchschnitt aller Werte - C) Den häufigsten Wert - D) Die Differenz zwischen Maximum und Minimum
Antwort: B
Erstelle 3 weitere Fragen in diesem Format.”
Ergebnis: Der Chatbot folgt exakt deinem Format.
Beispiele sind besonders nützlich für:
- Konsistente Formatierung
- Spezifischen Schreibstil
- Komplexe Strukturen (z.B. Bewertungsraster)
Im Dialog verfeinern
Ein Prompt ist selten perfekt beim ersten Mal. Nutze Nachfragen, um die Antwort zu verbessern:
| Situation | Nachfrage |
|---|---|
| Zu kompliziert | “Vereinfache das für Einsteiger.” |
| Zu oberflächlich | “Geh tiefer ins Detail bei [Aspekt].” |
| Zu abstrakt | “Gib mir ein konkretes Beispiel aus dem Alltag.” |
| Falscher Fokus | “Fokussiere stattdessen auf [Aspekt].” |
| Zu lang | “Fasse das in 3 Sätzen zusammen.” |
| Format passt nicht | “Formatiere das als Tabelle.” |
Du kannst deinen letzten Beitrag bearbeiten und von dort aus neu verzweigen. Manchmal ist es auch sinnvoll, einen neuen Chat zu starten, wenn der Kontext zu lang oder in eine falsche Richtung gelaufen ist. Der Chatbot “erinnert” sich an alles im aktuellen Chat, was sowohl nützlich als auch hinderlich sein kann.

Häufige Fehler
| Fehler | Problem | Lösung |
|---|---|---|
| Zu vage | “Hilf mir mit meinem Kurs” | Konkreter: “Erstelle 3 Diskussionsfragen für mein Seminar zu [Thema]” |
| Zu viel auf einmal | Mehrere Aufgaben in einem Prompt | Eine Aufgabe pro Prompt, dann iterieren |
| Kontext vergessen | Der Chatbot kennt deine Situation nicht | Immer relevanten Hintergrund geben |
| Erste Antwort akzeptieren | Suboptimales Ergebnis | Im Dialog verfeinern |
Die wichtigste Regel
Der Chatbot klingt immer überzeugend, auch wenn er falsch liegt.
Chatbots können:
- Fakten erfinden (“halluzinieren”)
- Veraltete Informationen geben
- Plausibel klingende aber falsche Zusammenhänge herstellen
Du musst jede Antwort mit deinem Fachwissen prüfen. Was du nicht prüfen kannst, solltest du nicht ungeprüft verwenden.
Weiterführend
Interaktiver Prompting-Tutor
Für personalisiertes Training steht dir ein spezieller Copilot-Agent zur Verfügung:
- Demonstriert Techniken mit durchgearbeiteten Beispielen
- Passt sich deinem Niveau an
- Gibt konstruktives Feedback zu deinen Prompts
Prompting-Tutor starten (BFH-Login erforderlich)
Externe Ressourcen
- Learn Prompting: Umfassender englischsprachiger Kurs