Fragen für die eigene Reflexion

Diese Reflexionsfragen helfen dir, die Workshop-Konzepte auf deine eigene Lehre anzuwenden. Sie sind für die Nachbereitung gedacht, nicht als Entdeckungsübung: Sie bauen auf dem auf, was im Workshop explizit vermittelt wurde.

TippEmpfehlung

Nimm dir für jede Frage 5-10 Minuten Zeit. Notiere deine Antworten schriftlich. Die Fragen sind wirksamer, wenn du sie mit Kolleg*innen diskutierst, die den Workshop ebenfalls besucht haben.

1. Offloading oder Outsourcing in deiner Lehre

Konzept aus dem Workshop: Kognitives Offloading bedeutet, dass du externalisierst, aber selbst weiterdenkst. Kognitives Outsourcing bedeutet, dass du die Denkarbeit selbst überträgst. Die entscheidende Frage ist: Ist das, was ausgelagert wird, etwas, das die Person lernen sollte?

Deine Aufgabe: Wähle eine schriftliche Aufgabe oder ein Projekt aus einem deiner Module, bei dem Studierende KI-Tools nutzen könnten.

Analysiere diese Aufgabe anhand folgender Fragen:

  1. Welche kognitiven Prozesse soll diese Aufgabe trainieren? (z.B. Argumentieren, Analysieren, Synthetisieren, Problemlösen)
  2. Welche dieser Prozesse würde ein Chatbot übernehmen, wenn Studierende ihn nutzen?
  3. Sind die Prozesse, die der Chatbot übernehmen würde, zentral für dein Lernziel oder peripher?

Dein Ergebnis: Formuliere einen Satz: “Bei dieser Aufgabe wäre KI-Nutzung eher [Offloading/Outsourcing], weil…”

2. Wo dein Fachwissen entscheidend ist

Konzept aus dem Workshop: Chatbots generieren plausiblen Text, nicht geprüfte Fakten. Ohne Fachwissen kannst du nicht beurteilen, ob eine Antwort korrekt ist.

Deine Aufgabe: Denke an ein Thema aus deinem Fachgebiet, bei dem Chatbot-Antworten besonders trügerisch sein könnten: plausibel klingend, aber fachlich falsch oder veraltet.

Überlege:

  1. Was macht dieses Thema anfällig für überzeugende Fehler?
  2. Welches Vorwissen bräuchten Studierende, um solche Fehler zu erkennen?
  3. Haben deine Studierenden dieses Vorwissen bereits, oder müssen sie es erst aufbauen?

Dein Ergebnis: Notiere ein konkretes Beispiel, das du im Unterricht als Warnung verwenden könntest.

3. Studierende mit unterschiedlichen Voraussetzungen

Konzept aus dem Workshop: Dieselbe KI-Nutzung kann für Expert*innen produktiv und für Lernende schädlich sein. Der Unterschied liegt im Vorwissen und in der Fähigkeit zur kritischen Einordnung.

Deine Aufgabe: Denke an zwei Studierende in deinem Kurs: eine Person mit soliden Grundlagen und guter Selbstregulation, eine Person, die noch Mühe mit den Basics hat.

Überlege für dieselbe Aufgabe:

  1. Wie würde die erste Person KI vermutlich nutzen?
  2. Wie würde die zweite Person KI vermutlich nutzen?
  3. Welche Unterstützung bräuchte die zweite Person, um KI produktiv statt schädlich einzusetzen?

Dein Ergebnis: Formuliere eine konkrete Massnahme, die du für Studierende mit schwächeren Grundlagen einführen könntest.

4. Grenzfälle und Unklarheiten

Konzept aus dem Workshop: Die Unterscheidung zwischen Offloading und Outsourcing ist nicht immer eindeutig. Manche Situationen liegen in einer Grauzone.

Deine Aufgabe: Identifiziere eine Situation in deiner Lehre, bei der du dir nicht sicher bist, ob KI-Nutzung sinnvoll oder problematisch wäre.

Beschreibe:

  1. Was genau macht diese Situation schwierig zu beurteilen?
  2. Welche zusätzlichen Informationen bräuchtest du, um eine Entscheidung zu treffen?
  3. Könnte es sein, dass die Antwort für verschiedene Studierende unterschiedlich ausfällt?

Dein Ergebnis: Formuliere die Frage, die du klären müsstest, um zu einer Entscheidung zu kommen.

5. Ein konkreter nächster Schritt

Konzept aus dem Workshop: “Die Frage ist nicht ‘Darf man KI nutzen?’, sondern ‘Wer lernt dabei was?’”

Deine Aufgabe: Wähle eine konkrete Änderung, die du in den nächsten Wochen in einem deiner Module umsetzen willst.

Formuliere deinen Vorsatz nach diesem Muster:

“In [Modul/Kurs] werde ich [konkrete Massnahme], um [Ziel bezüglich KI und Lernen].”

Überlege:

  1. Woran wirst du erkennen, ob diese Änderung die gewünschte Wirkung hat?
  2. Was könnte schiefgehen, und wie würdest du darauf reagieren?

Dein Ergebnis: Dein formulierter Vorsatz mit einem Erfolgskriterium.

Weiterführend

Diese Reflexionsfragen sind ein Ausgangspunkt. Die eigentliche Arbeit beginnt, wenn du deine Überlegungen in die Praxis umsetzt, beobachtest, was passiert, und deine Ansätze anpasst.

Für weitere Unterstützung:

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