Frage 3: Wann hilft KI, wann schadet sie?
Offloading vs. Outsourcing: Wann ist KI-Nutzung sinnvoll?
Präsentation
In dieser Einheit diskutieren wir, wann KI-Nutzung sinnvoll ist und wann sie das Lernen behindern kann. Der Fokus liegt auf der Unterscheidung zwischen kognitivem Offloading und Outsourcing.
Inhaltsübersicht
Dauer: 35 Minuten
| Thema | Zeit |
|---|---|
| Konzepte: Offloading vs. Outsourcing | 10 min |
| Szenario-Aktivität | 15 min |
| Diskussion und Transfer | 10 min |
Kernbotschaften
- Offloading: Du externalisierst, aber denkst selbst weiter
- Outsourcing: Du überträgst die Denkarbeit
- Die entscheidende Frage: Ist das, was ausgelagert wird, etwas, das die Person lernen sollte?
- Der Zielkonflikt: Dieselbe KI-Nutzung kann für Expert*innen produktiv und für Lernende schädlich sein
Die zwei Konzepte
Kognitives Offloading
Du externalisierst Informationen, um dein Arbeitsgedächtnis zu entlasten, während du selbst weiter denkst.
Beispiele:
- Notizen machen
- Mind-Maps erstellen
- Taschenrechner für Berechnungen nutzen
Das Werkzeug speichert, was du produzierst.
Kognitives Outsourcing
Du überträgst die eigentliche Denkarbeit an ein externes System.
Beispiele:
- GPS statt eigene Navigation
- KI-generierter Text statt eigenes Schreiben
- KI-Analyse statt eigenes Durchdenken
Das Werkzeug entscheidet, produziert und denkt für dich.
Die entscheidende Frage
Ist die ausgelagerte Arbeit das, was die Person lernen oder üben sollte?
Diese Frage unterscheidet sinnvolle von problematischer KI-Nutzung.
Matrix: Wer macht was?
| Situation | Lehrende | Studierende |
|---|---|---|
| KI schreibt Feedback | ✓ OK (Effizienz) | — |
| KI schreibt Essay | — | ✗ Problematisch |
| KI erklärt Konzept | ✓ OK | ? Kommt drauf an |
| KI generiert Übungen | ✓ OK | ? Könnte OK sein |
| KI debuggt Code | ✓ OK | ✗ Wenn ohne Verständnis |
Der Produktivitäts-Lern-Zielkonflikt
Der Konflikt zwischen Produktivität und Lernen ist kein Paradox. Er folgt direkt aus dem, was wir über kognitive Architektur wissen:
- KI-Tools sind für Expert*innen gemacht: Sie steigern Produktivität, indem sie kognitive Arbeit übernehmen.
- Lernen erfordert kognitive Anstrengung: Das Gehirn lernt durch Vorhersagefehler, die nur entstehen, wenn man selbst denkt.
- Wenn Studierende auslagern, was sie üben sollten: Sie bekommen das Produkt, aber nicht den Lerneffekt.
Für Lehrende ist Outsourcing oft produktiv (Arbeit, nicht Lernen). Für Studierende ist Outsourcing oft problematisch (sie brauchen die Übung).
Aktivität: Szenario-Karten
Die vollständige Aktivität mit allen Szenarien findest du hier:
Leitfragen für deine Praxis
Für dich als Lehrperson:
- Wo kann ich KI produktiv für Routineaufgaben einsetzen?
- Wo gewinne ich Zeit für wichtigere Aufgaben?
Für deine Studierenden:
- Welche kognitiven Prozesse sind zentral für das Lernziel?
- Wo würde KI-Nutzung genau diese Prozesse umgehen?
Takeaway
KI-Tools sind für **Expert*innen** gemacht. Sie steigern Produktivität.
Für Lernende ist die Situation komplizierter: Lernen braucht kognitive Anstrengung. Wenn Studierende auslagern, was sie üben sollten, bekommen sie das Produkt, aber nicht den Lerneffekt.
Die Frage ist nicht “Darf man KI nutzen?”, sondern “Wer lernt dabei was?”