Wirtschaft: Bäckerei-Preisanpassung
Lehraufgabe
Eine kleine Bäckerei verkauft Brot für CHF 5 pro Laib und setzt täglich 100 Laibe ab. Sie überlegt, den Preis auf CHF 6 anzuheben. Sollte sie es tun? Begründe deine Antwort.
Drei kalibrierte Lernenden-Antworten
Antwort A: Aktive Fehlkonzeption
Ja, sie sollte den Preis anheben. Bei CHF 5 macht sie CHF 500 Umsatz pro Tag, bei CHF 6 macht sie CHF 600 Umsatz pro Tag, also CHF 100 mehr täglich. Das sind CHF 36’500 zusätzlicher Umsatz pro Jahr. Bessere Marge.
Warum aktive Fehlkonzeption: Die Lernende wendet lineare Arithmetik selbstbewusst an und stellt nie die Annahme in Frage, dass die Absatzmenge bei einer Preisänderung konstant bleibt. Sie hat ein in sich geschlossenes, aber falsches Modell: Preis hoch = Umsatz hoch. Punkt.
Antwort B: Lernferner Abruf
Das hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von den Zutatenkosten, davon, was die Konkurrenz verlangt, von der Kundinnenbindung, davon, ob die Bäckerei einzigartige Produkte hat, von der Lage, vom demografischen Umfeld, von saisonalen Schwankungen, vom Wetter, vom Marketing-Budget und von der Marke. All das muss berücksichtigt werden.
Warum lernferner Abruf: Die Lernende listet viele tatsächlich relevante Faktoren auf, aber führt keine eigentliche Analyse durch. Abruf ohne Elaboration: sie produziert eine Checkliste, anstatt das Kernkonzept (Preiselastizität der Nachfrage) anzuwenden.
Antwort C: Schema-Lücke
Ich bin mir nicht sicher, wie ich das anpacken soll. Wenn sie den Preis erhöht, bekommt sie mehr Geld pro Laib, aber ich weiss nicht, wie ich abschätze, ob die Kundinnen dann noch genauso viel kaufen. Gibt es dafür eine Formel?
Warum Schema-Lücke: Die Lernende erkennt korrekt, was ihr fehlt (eine Modellierung der Mengenreaktion auf eine Preisänderung) und fragt explizit nach dem fehlenden Konzept (Preiselastizität). Das Vorwissen ist nicht vorhanden, die Lernende ist sich dessen aber bewusst.