Sozialarbeit: Verpasste Termine
Lehraufgabe
Eine Klientin in der Suchtberatung hat drei Termine in Folge verpasst. Was würdest du in Betracht ziehen, bevor du Kontakt aufnimmst, und wie würdest du das Gespräch eröffnen?
Drei kalibrierte Lernenden-Antworten
Antwort A: Extrinsische Ablenkung
Zuerst würde ich die Akte prüfen, ob noch Dokumentation aussteht, und sicherstellen, dass die Aufnahmedokumente vollständig im System sind. Dann würde ich die Kontaktdaten verifizieren und prüfen, ob die Versicherungsfreigabe noch aktiv ist. Danach würde ich die Fallnotizen aktualisieren und vermerken, dass die Kontaktaufnahme ausstehend ist.
Warum extrinsische Ablenkung: Die Lernende investiert ihre kognitive Anstrengung in Verwaltungsprozesse (Formulare, Abrechnung, Notizen), anstatt sich der eigentlichen Frage zu widmen (dem Wohlbefinden der Klientin und ihrem Engagement im Beratungsprozess). Die Anstrengung fliesst an die falsche Stelle.
Antwort B: Aktive Fehlkonzeption
Drei verpasste Termine bedeuten, dass die Klientin ihre Genesung nicht ernst nimmt. Ich würde sie anrufen, an ihre Verpflichtungen erinnern und ihr erklären, dass wir den Fall schliessen müssen, wenn sie noch einmal nicht erscheint. Wir können niemandem helfen, der nicht kommt.
Warum aktive Fehlkonzeption: Die Lernende argumentiert kohärent aus einem falschen Modell (Klientin als autonome Entscheidungsträgerin, die sich gegen Kooperation entschieden hat). Das Modell muss ersetzt, nicht verfeinert werden: strukturelle und klinische Faktoren sind komplett ausserhalb des Bildes.
Antwort C: Intrinsische Überlastung
Es könnte viele Gründe geben: Rückfall, Transport, Arbeitszeiten, psychische Gesundheit, Familiekrise, Wohnsituation, Stigmatisierung, Angst vor Bewertung, Misstrauen gegenüber der Stelle, Transportkosten, Kinderbetreuung, Sprachbarrieren, aufenthaltsrechtliche Bedenken, Konflikte mit früheren Mitarbeitenden, Eindruck mangelnden Fortschritts, oder schlicht das Gefühl, vom Prozess überfordert zu sein.
Warum intrinsische Überlastung: Die Lernende verfolgt viele reale und plausible Möglichkeiten, kann aber nicht priorisieren oder von der Aufzählung zur Handlung übergehen. Die Element-Interaktivität übersteigt die Arbeitsgedächtniskapazität; die Analyse kollabiert in eine Aufzählung.