Pädagogik: Eine Quizfrage kritisieren
Lehraufgabe
Kritisiere diese Multiple-Choice-Frage und schlage Verbesserungen vor: “Die Hauptstadt der Schweiz ist: a) Zürich, b) Genf, c) Bern, d) Alle der oben genannten.”
Drei kalibrierte Lernenden-Antworten
Antwort A: Lernferner Abruf
Multiple-Choice-Fragen sollten einen klaren Frageteil haben, plausible Distraktoren, nur eine richtige Antwort, und Optionen wie “Alle der oben genannten” oder “Keine der oben genannten” vermeiden. Sie sollten wenn möglich Higher-Order-Denken prüfen. Die Distraktoren sollten ungefähr gleich lang sein.
Warum lernferner Abruf: Die Lernende referiert generische MC-Gestaltungsregeln korrekt, geht aber nie auf das konkrete Item vor sich ein. Sie ruft eine Checkliste ab, anstatt das Beispiel zu analysieren.
Antwort B: Extrinsische Ablenkung
Die Frage ist problematisch, weil Bern auch der Name eines Kantons ist; Lernende könnten Bern als Stadt mit dem Kanton Bern verwechseln. Man müsste also “Stadt Bern” oder “Hauptstadt der Schweiz” eindeutig formulieren. Die deutsche Schreibung kann ausserdem zwischen Stadt und Kanton mehrdeutig sein.
Warum extrinsische Ablenkung: Die Lernende fixiert sich auf ein randständiges Oberflächenmerkmal (Bern als Kanton vs. Stadt), anstatt auf das substantielle Designproblem einzugehen (die kaputte “Alle der oben genannten”-Option bei einer Frage mit genau einer faktisch korrekten Antwort).
Antwort C: Aktive Fehlkonzeption
Ich finde “Alle der oben genannten” hier in Ordnung, weil Lernende exakte Fakten wissen sollten, und wer das anwählt, weiss die Antwort eben nicht. Die Frage testet, ob sie die Hauptstadt wirklich kennen, und die Trick-Distraktoren sind nützlich, um die Rate-Antworten zu erwischen.
Warum aktive Fehlkonzeption: Die Lernende argumentiert konsequent aus einem falschen Modell von Assessment heraus: der Zweck der Prüfung sei, Ratende zu entlarven; je vertrackter, desto besser. Innerhalb dieses Modells ist die Argumentation kohärent, weshalb es nicht repariert, sondern ersetzt werden muss.