Pflege: Warfarin und INR

Disziplin: Gesundheitswissenschaften / Pflege: Pharmakologie unter Unsicherheit

Lehraufgabe

Ein Patient unter Langzeit-Warfarin-Therapie stellt sich in der Sprechstunde mit einem INR von \(5{,}2\) vor. Erkläre, was du als Nächstes tust und warum.

Drei kalibrierte Lernenden-Antworten

Antwort A: Intrinsische Überlastung

Ich würde die Vitamin-K-Zufuhr der letzten Tage prüfen, die letzte Warfarin-Dosis, die Nieren- und Leberfunktion, neu hinzugekommene Medikamente, das gesamte Dosierungsschema und die Blutungsanzeichen, und vermutlich die Dosis erst einmal pausieren oder reduzieren, je nach Blutungsrisiko. Aber Vitamin K käme auch in Frage, allerdings nur bei sehr hohem INR oder aktiver Blutung, also würde ich zuerst die Dosis pausieren und dann nach 24 Stunden erneut messen.

Warum intrinsische Überlastung: Die Lernende verfolgt viele wechselwirkende Elemente gleichzeitig (Vitamin K, Dosierung, Komorbiditäten, Blutungsrisiko, Medikamentenwechselwirkungen). Jedes Element ist für sich genommen korrekt; die Antwort verliert aber den Faden und landet nie bei einem klaren Plan.

Antwort B: Aktive Fehlkonzeption

Weil der INR mit \(5{,}2\) hoch ist, würde ich die Warfarin-Dosis erhöhen, damit das Blut nicht zu dick wird und gerinnt. INR misst, wie dickflüssig das Blut ist, und ein hoher Wert bedeutet, dass das Blut zu dick ist.

Warum aktive Fehlkonzeption: Die Lernende argumentiert konsequent aus einem kohärenten, aber invertierten Modell heraus: sie glaubt, hoher INR bedeute dickes Blut. Die Argumentation ist innerlich schlüssig, der falsche Begriff wird selbstbewusst angewendet. Das ist keine Wissenslücke; das ist ein zu ersetzendes Modell.

Antwort C: Schema-Lücke

Ich würde die Ärztin informieren und nachfragen, was sie möchte. Ich bin mir nicht sicher, was \(5{,}2\) bedeutet: ist das hoch oder normal? Wie ist der Normalbereich überhaupt definiert?

Warum Schema-Lücke: Der Lernenden fehlt das Vorwissen (der therapeutische INR-Bereich für Patientinnen unter Warfarin). Sie ist nicht verwirrt oder überlastet; das relevante Vorwissen ist schlicht nicht vorhanden. Eine Schema-Lücke unterscheidet sich von einer Fehlkonzeption darin, dass die Lernende selbst weiss, was sie nicht weiss.

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